Menschen » Deutsch als Drittsprache – Anastasia Khomonkina geht auf die Gutenberg-Oberschule

Anastasia Khomonkina geht auf die 101. Oberschule „Johannes-Gutenberg“ und lernt – neben allem anderen – erst einmal Deutsch. DaZ heißt das, gesprochen „Datz“: Deutsch als Zweitsprache, weil es ja keine Fremdsprache bleiben soll. Für Anastasia ist es aber bereits die dritte Sprache, nach Spanisch und Russisch. Ihre beiden ersten Sprachen spricht sie fließend. In Spanien ist sie bei ihrer Mutter aufgewachsen, in einem kleinen Dorf bei Valencia, 10 Minuten vom Meer. Da kannte sie alles und jeden. Jetzt lebt sie bei ihrem Vater in Dresden. Zu Hause wird meist Russisch gesprochen, oder Deutsch mit dem Stiefbruder, Spanisch nur noch mit einem Bekannten.

Die Faszination und die Herausforderungen der Mehrsprachigkeit sind an der Oberschule Alltag. Für etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler war Deutsch nicht die Muttersprache, oder zumindest nicht die der Eltern. Man lernt durch Sprechen und Lesen, und es hilft, Sprache auseinanderzunehmen und die Buchstaben wieder zusammenzusetzen. So passt für Schulleiterin Juliana Dressel-Zagatowski auch Gutenberg, der Namenspatron, gut zur Schule. Johannes Gutenberg aus Mainz, der Begründer des Buchdrucks, leitete vor 500 Jahren eine Revolution ein, an die erst die Erfindung des Computers wieder heranreichte. Den Gegensatz zwischen verstaubter gedruckter Welt und neuer digitaler Welt lässt sie nicht gelten. Gerade wurde die ausgemusterte Bücherei des Dreikönigsgymnasiums übernommen und eine Hochdruckpresse angeschafft. In der Schule gab es schon einmal eine Druckerwerkstatt, bis 2002 die Flut den Keller verwüstete. Auf die neue kann sich jetzt Anastasia Khomonkina freuen: Sie ist nach einer Exkursion ins Druckereimuseum in Leipzig Feuer und Flamme. In der Schule gibt es den Neigungskurs Buch&Kunst. Da steht gerade Linolschnitt an. Auf ihrem Druck steht ein Mädchen vor einem Spiegel, überall fliegen Bücher um sie herum. „Bücher sind wie Spiegel, man erkennt in ihnen sich selbst“, heißt der Titel.

Foto: Torsten Birne