Места » История Йоханнштадта » Standort 6 — Thomas-Müntzer-Platz

eingestellt am 08.04.2019 von QM Johannstadt, zuletzt geändert am 12.09.2019

Der Arnoldstraße in Richtung Elbe folgend, erreichen Sie den Thomas-Müntzer-Platz — unseren Stelenstandort Nummer 6.

Vor 1945: Feldherren, Flußbaden und Flieger

Stadtplan von 1911. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: JohannstadtArchiv

Feldherrenplatz

Der heutige Thomas-Müntzer-Platz wurde 1904 unter dem Namen „Feldherrenplatz“ angelegt. Seine Namensgebung geht auf die angrenzende Feldherrenstraße (heute Florian-Geyer-Straße) zurück. Möglicherweise rührt die Bezeichnung Feldherrenstraße von der Ernennung des Kronprinzen und späteren Königs Albert 1871 zum Generalfeldmarschall. Bis etwa 1912 blieb der Platz unbebaut. Nach 1912 entstanden in kurzem zeitlichem Abstand die Gebäude mit den Hausnummern 3, 4 und 5. Sie wurden vom Striesener Tischlermeister und Inhaber eines Baugeschäftes Max Albin Förster errichtet. Drei Jahre später folgten die Häuser Nr. 6 und 7 von Landmesser Hans Gentsch und den Baugewerken Friedrich E. Hermann, die Nr. 10 von Wachtel & Voigt. In Haus Nr. 1 befand sich seit 1915 das Büro des XXV. Polizeireviers. Die neuen Häuser wurden vor allem von wohlhabenden Bürgern Dresdens bewohnt, darunter Hofschauspieler, Kunsthändler, Ingenieure, ein Bankprokurist, ein Fabrikbesitzer und ein Stadtbauinspektor.

Feldherrenplatz (Thomas-Müntzer-Platz) im Schrägluftbild um 1900. Quelle: Walter Hahn, Deutsche Fotothek

„Spielkameraden!“ — Kinder auf dem Feldherrenplatz, 1936. Quelle: Gertraude Finkenwirth

Antons Bad

Antons Bad an der Elbe in unmittelbarer Nähe zum Fährgarten entwickelte sich zu einem beliebten Bad und Ausflugsziel der Johannstädter. 1754 erwarb der kurfürstliche Oberfloßinspektor Christian Gottlob Anton das Grundstück, auf dem sich zuvor ein Kalkofen befand. Er bekam die Erlaubnis, ein Haus mit Garten zu erbauen und eine Gastwirtschaft mit Brennerei, eigener Bäckerei und Schlächterei zu betreiben. Sein Bauwerk lehnte sich an das Vorbild französischer Landhäuser des Rokoko an. 1922 entstand auf dem Grundstück, mittlerweile im Eigentum der Stadt Dresden, ein Licht- und Luftbad (siehe Bild unten). Die Bomben beim Angriff auf Dresden 1945 zerstörten das Antons Bad. Heute kennzeichnet nur noch eine  durchgewachsene Hecke an der Elbe den ehemaligen Standort.

Weitere Informationen zur Geschichte von Antons Bad finden Sie hier.

Antons Bad um 1910. Quelle: SLUB Dresden / Deutsche Fotothek

Antons Bad im Schrägluftbild von der Neustädter Seite aus gesehen. Quelle: JohannstadtArchiv

Wasserflugplatz Dresden — Hamburg

Im Jahr 1925 gab es in Dresden eine europäische Premiere: die Errichtung einer Wasserfluglinie entlang der Elbe zwischen Dresden-Johannstadt und Altona bei Hamburg mit Zwischenlandung in Magdeburg durch die Junkers Luftverkehr AG. Diese verpflichtete sich, im Jahre 1925 – zunächst für die Dauer von drei Monaten – einen regelmäßigen Luftverkehr auf der Elbe mit Wasserflugzeugen des Typs „Junkers F13“ durchzuführen. Zur Flugabfertigung diente das heute noch existente Gebäude der Rudergesellschaft (heute zum Sportplatz gehörig). Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung erfolgte am 10. August 1925 der erste Start eines Flugzeuges vom Johannstädter Ufer in Höhe der damaligen Gneisenaustraße (heute Bundschuhstraße). Bereits ein Jahr später erwies sich die Wasserfluglinie als unrentabel, nach Ablauf des Sommerflugplanes im Herbst 1926 folgte die Einstellung.

Weitere Informationen zur Geschichte des Wasserflugplatzes finden Sie hier.

Wasserflugzeuge des Typs „Junkers F13“ am Johannstädter Elbufer, 1925. Quelle: SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / Walter Hahn

Eröffnung des Regelflugbetriebes 1925. Quelle: JohannstadtArchiv

Nach 1945: Fährgarten und Festspiele

Stadtplan von 2017. Der Planausschnitt ist identisch mit dem oben abgebildeten historischen Stadtplan von 1911. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Themenstadtplan Dresden

Aus dem Feldherrenplatz wird der Thomas-Müntzer-Platz

Anders als weite Teile der Umgebung, überstand der Feldherrenplatz die Luftangriffe im1946 unbeschadet. Am Gebäude Nr. 9 ist noch eine alte Markierung zu den Auffangstellen für Kriegsgeschädigte erkennbar. Ab 1946 erhielten zahlreiche Straßen der Nördlichen Johannstadt neue Namen mit Bezug zum Bauernkrieg (zum Beispiel Bundschuhstraße, Pfeifferhannsstraße, Florian-Geyer-Straße). Der Feldherrenplatz bekam damit im Zusammenhang den Namen des Bauernkriegsführers Thomas Müntzer. Ab 1945 führte ein Gleis der Trümmerbahn über den Platz, das bis etwa Mitte der 1950er Jahre genutzt wurde, um die Trümmer der zerstörten Johannstadt an die Elbwiesen zu bringen.

Hinweis zu Auffangstellen am Haus Nr. 9, ca. 1940, Zustand 2010. Quelle: Stadtwiki Dresden / Kronf

Jugendwettkampf auf dem Thomas-Müntzer-Platz, 1950. Quelle: JohannstadtArchiv

Elbwiesen nach 1945

Nach Kriegsende wurden weite Teile der Johannstädter Elbwiesen vom Käthe-Kollwitz-Ufer bis zur Waldschlösschenbrücke mit Trümmern aufgefüllt und so deutlich erhöht. Eine Sammlung der Trümmer, die beim Bau des Parkplatzes an der Waldschlößchenbrücke im Jahr 2007 ausgegraben wurden, sind in der Ausstellung Wohnkultur in der JohannStadthalle zu sehen. Das Gelände von Antons Bad diente nach der Abbruch der Ruine im Jahr 1958 zunächst als Kleingartenanlage „Elbfrieden II“. Pläne zur Errichtung eines internationalen Campingplatzes in den 1970er-Jahren konnten nie umgesetzt werden, weil das Gebiet im Hochwassergebiet lag. Die Elbwiesen dienen heute als Naherholungsgebiet und als Veranstaltungsgelände für das Johannstädter Elbefest im Sommer oder das Drachenfest im Herbst.

Johannstädter Festspiele und Elbefest

Die Johannstädter Festspiele auf den Elbwiesen wurden 1973 durch den Stadtbezirk Dresden-Mitte begründet. Die dreitägige Veranstaltung war als Volksfest konzipiert und bot Unterhaltung für Jung und Alt. Im Jahr 1983 zählte man 70 000 Gäste, die u.a. 7 000 Liter Bier tranken und 12 600 Fischsemmeln am „Dampferstand“ des „Konsum“ verzehrten. Bis zum Ende der DDR fanden 14 Johannstädter Festspiele statt, letztmalig vom 8. bis 10. September 1989. 2001 wurde die Tradition durch die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ) mit dem jährlich stattfindenden Johannstädter Elbefest wiederbelebt. Seit 2018 richtet der JohannStadthalle e.V. das Elbefest aus.

Beim Johannstadtfest 1967, Quelle: Erich Höhne, Erich Pohl. Quelle: Deutsche Fotothek

Medaille der 1. Johannstädter Festspiele 1973. Quelle: Sammlung Gonschorek

Medaille der 3. Johannstädter Festspiele 1975. Quelle: Sammlung Gonschorek

Johannstädter Elbeschwimmen

Fast 100 Freiwillige folgten am 15. August 1998 dem Aufruf des damaligen Ortsamtsleiters Dr. Dietrich Ewers (1939-2018) und stiegen am Blauen Wunder ins noch nicht ganz saubere Elbwasser (Güteklasse 2), um drei Kilometer weiter flussabwärts am Fährgarten Johannstadt ein Freigetränk und eine Bratwurst vom Wirt Jens Bauermeister gesponsert zu bekommen. Diese Tradition hat sich bis heute gehalten. 2018 beteiligten sich 1 789 Menschen am Elbeschwimmen – ein neuer Rekord. Bis 2016 leitete Dr. Dietrich Ewers das Elbeschwimmen. Der gebürtige Magdeburger lebte seit 1965 am Thomas-Müntzer-Platz und war ein Johannstädter Original. Mit der Wende wechselte der zuvor bei „Robotron“ tätige Maschinenbauingenieur in die Politik, wurde SPD-Stadtrat und übernahm 1990 für 14 Jahre die Leitung des Ortsamtes Altstadt. Neben dem Elbeschwimmen gehen auch die Gründung des „Dresden Marathon e.V.“ und die Einrichtung der vietnamesischen Gärten in Johannstadt auf sein Engagement zurück.

Weitere Informationen zum Johannstädter Elbeschwimmen finden Sie hier.

Dr. Dietrich Ewers beim Elbeschwimmen 2018. Quelle: Waltraut Leuschner

Text: Matthias Erfurth, Matthias Kunert, Henning Seidler

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