Места » История Йоханнштадта » Standort 12 — Gerok- / Silbermannstraße

eingestellt am 05.11.2019 von QM Johannstadt, zuletzt geändert am 02.12.2019

Folgen Sie dem Verlauf der Gerokstraße von der Hans-Grundig-Straße bis zur Einmündung der Dürerstraße. Dort befindet sich der 12. und letzte Standort des historischen Rundwegs.

Vor 1945: Trocknen, Turnen und Telefonieren

Stadtplan um 1910. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Sammlung Gonschorek

Vom Wäschetrockenplatz zum Postamt Nummer 16

Auf älteren Stadtplänen ist im Bereich der heutigen Permoser- und Dürerstraße eine Speisewirtschaft „Zur alten Vogelwiese“ zu erkennen, die auf den früheren Standort der Dresdner Vogelwiese hindeutet. An gleicher Stelle existierte um 1900 ein gewerblicher Wäschetrockenplatz inmitten des Wohngebietes, der vor 1910 einem Turn- und Sportplatz und 1934 einem heute noch vorhandenen Schulneubau weichen musste.

Artikel zum Neubau des Postamtes Gerokstraße, Dresdner Anzeiger. Quelle: Sammlung Gonschorek
Ansicht der Gerokstraße/Ecke ehem. Wintergartenstraße mit dem Wäscheplatz im Vordergrund, um 1900. Quelle: Sammlung Lars Herrmann

1926 entstand direkt neben dem Wäscheplatz das Postamt Nr. 16 in zwei Bauabschnitten. Das Bauwerk vereint einen mehrflügeligen Stahlbetonbau mit traditioneller Kubatur, schlichter Putzfassade und einer Sockelverkleidung aus Rochlitzer Porphyr. Besondere Akzente brachten der Eingangsportikus, die Risalite (Vorsprünge) und vor allem die platzartige Aufweitung vor dem Gebäude. Neben der Reichspost und dem Fernsprechamt gab es im Gebäude auch eine Werkstatt für Telefonapparate.

Wählerraum mit Arbeitsplatz, 1930. Quelle: Sammlung Hegewald

Auf der Rückseite der Post befand sich, zurückgesetzt in einer hofartigen Situation, die Feuerwache III. Hier kamen Pferde als Zugtiere zum Einsatz. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand aus der Feuerwache eine Krankenbeförderungszentrale mit Totenwagen. Das Gebäude fiel 1945 den Bomben zum Opfer. An exakt gleicher Stelle steht heute der Netto-Markt.

Krankenbeförderungszentrale um 1920. Quelle: Sammlung Kalex
Ansicht des Postamtes, 1938. Quelle: Sammlung Gonschorek

Burenhaus und Silbermannstraße

An der Silbermannstraße Nr. 22 stand einst das Burenhaus, das die ca. 100 im Zuge der Burenkriege aus Südafrika geflüchteten „Weißafrikaner“ errichten ließen. Die Fertigstellung feierten die Bewohner am 25. Juli 1901 zusammen mit der Enthüllung eines Denkmals des transvaalischen Präsidenten Ohm Paul Krüger, das in die Fassade eingelassen war. Die Rollläden waren farbig in den Landesfarben blau-weiß-rot gehalten.

Die vor dem Burenhaus verlaufende, 1883 angelegte Silbermannstraße reichte damals von der Striesener Straße vorbei am Zöllnerplatz bis zur Gerokstraße. Der ursprüngliche Verlauf ist an den alten Eschen noch gut zu erkennen. Den Namen erhielt die Straße nach dem berühmten Orgel- und Klavierbauer Gottfried Silbermann (1683–1753). Von 1923 bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten 1935 befand sich in der Nr. 5 die reformpädagogische Dürerschule.

Ansicht vom gleichen Standort, 2019. Die Eschen sind große Bäume geworden. Quelle: Henning Seidler
Ansicht des Burenhauses (links) mit den farbigen Rollläden, 1901. Im Hintergrund die Dürerschule.
Quelle: Wikipedia, Bybbisch94, Dr. Trenkler

Nach 1945: Große Rechner, hohe Schulen, schmale Filme

Stadtplan von 2019. Der Planausschnitt ist identisch mit dem umseitig abgebildeten historischen Stadtplan von ca. 1900. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Themenstadtplan Dresden

Von der Enttrümmerung zum Großrechner

Die Luftangriffe im Februar 1945 beschädigten fast alle Gebäude an der Gerokstraße so stark, dass sie in den Folgejahren zum Abriss kamen. Das Postamt hingegen konnte bis 1953 wiederaufgebaut werden. In den Jahren 1967–69 investierte das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der DDR über drei Millionen Mark in einen der ersten Großrechner des Landes (Typ „R300“), der in Radeberg entstand. Zum Rechner errichtete man ein passendes Gebäude, das bis heute erhalten ist. Hier liefen bis 1990 alle Gehaltsabrechnungen der Deutschen Post durch die Verarbeitung. Nach der Verschrottung des Großrechners nutzte die Post das Gebäude als Mensa. 2019 steht es leer. Der unauffällige Bau mit der typischen farbigen Flachglasfassade ist eines der letzten Beispiele der Industriearchitektur der 1960er Jahre.

Typenbau für den ehemaligen Großrechner in der Hans-Grundig-Straße. Quelle: Sammlung Gonschorek
Ruinen in der Gerok-/Dürerstraße, 1945. Quelle: SLUB Dresden / Deutsche Fotothek, Alfred Wernicke

Das Berufsschulzentrum «Gustav Anton Zeuner»

Die als Stahlbetonbau durch Stadtbaurat Paul Wolf geplante und 1934 nach erheblichem Bauverzug mit großem propagandistischem Aufwand durch die Nationalsozialisten als „Horst-Wessel-Schule“ eröffnete Schule an der Gerokstraße hatte durch die Bombardierung nur mittlere Schäden erlitten. Der Schulkomplex mit seinen Hofanlagen zählt zu den umfangreichsten und modernsten Schulbauten seiner Entstehungszeit. Er vereinte unter seinem Dach drei Altstädter Knabenberufsschulen, alle kaufmännischen und diverse gewerbliche Berufsschulklassen. Zahlreiche ortsansässige Firmen halfen nach 1945 die Schule wieder aufzubauen. Ab dem Jahr 1969 entstanden daraus die Kommunale Berufsschule I und die 53. Polytechnische Oberschule mit einem technischen Lehrprofil. Im August 2004 erhielt die Schule den Namen Berufliches Schulzentrum für Technik „Gustav Anton Zeuner“. Im aktuellen schulischen Profil haben die Berufsschule, die Berufsfachschule, die Fachschule und die Fachoberschule ihren festen Platz gefunden. Hier erhalten jährlich rund 1 900 SchülerInnen von 76 LehrerInnen in den Berufen der Kraftfahrzeugtechnik, der Metalltechnik sowie der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ihre Ausbildung.

Weitere Informationen rund um die Geschichte des Berufsschulzentrums finden Sie hier.

Innenhof der Schule mit Treppenanlage, 1934. Quelle: JohannStadtArchiv
Malereien im Schulhof, 1970er Jahre. Quelle: Gerd Hammermüller

 

 

 

 

 

Cineastische Keimzelle des Dresdner Programmkinos

Nach 1990 etablierte sich im Hörsaalgebäude der Ingenieurhochschule (heutige Evangelische Hochschule) das Filmtheater „Nickelodeon“ als erstes privatgeführtes, später studentisches Programmkino nach der Wende. Inhaber war der „Kinokönig“ Frank Apel, der in den Folgejahren als Betreiber der Programmkinos „Schauburg“ und „Casablanca“ in der Neustadt, des „KIF“ in Löbtau und des Großkinos „Metropolis“ am Waldschlösschen über die Landesgrenzen hinaus bekannt war. In der Turnhalle des heutigen Berufsschulzentrums befand sich außerdem das von einer Schülerinitiative geführte „Filmtheater Gerokstraße“.

Weitere Informationen zum Filmtheater «Nickelodeon» erhalten Sie hier.

Vorführsaal des „Nickelodeon“ Filmtheaters, um 1998. Quelle: JohannStadtArchiv
Eintrittskarte des „Nickelodeon“ Filmtheaters, um 1998. Quelle: JohannStadtArchiv

 

 

 

 

 

 

Text: Matthias Kunert, Henning Seidler, Matthias Erfurth

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