Gefallene Linden entlang der Pfeifferhannsstraße sorgen für Unmut

eingestellt am 11.11.2019 von Philine Schlick

An der Baustelle des neuen Aldi-Nord-Flachbaus an der Pfeifferhannsstraße ist am 1. November eine Baumreihe gefallen. Das verärgert nicht nur Anwohner*innen.  Aldi Nord und Reinhard Funk von Funk-Bau erklärten nun das Vorgehen.

Die Linden wurden Mitte der 70er Jahre von Anwohnern gepflanzt. Nun musste der Investor Aldi sie fällen lassen.

„Mir blutet das Herz, wenn ich das sehe“, sagt Herr Lange in Anbetracht der gekappten Linden an der Pfeifferhannsstraße. Er pflanzte Mitte der 70er-Jahre als Vorsitzender des Wohnbezirksausschusses die Schößlinge mit. Sie stammen von den Linden am Elbufer, auf Höhe des Flohmarkt-Platzes. Herr Lange ist direkter Anwohner und goss die kleinen Bäume täglich mit einem Eimer Wasser, bis sie groß waren. Nun wurden sie gefällt.

Thomas Löser (Bündnis ’90/Grüne) kritistierte das Vorgehen: «Das Bauvorhaben war unter der Voraussetzung genehmigt worden, dass die Grünfläche und die dort wachsenden Bäume erhalten bleiben.»

Problem Keller und Kampfmittel

Die Stümpfe stehen auf den Resten eines darunter liegenden Kellergewölbes, das im Zuge der Bauarbeiten freigelegt wurde. Hier findet sich laut Investor Aldi Nord auch die Ursache für die Baumfällung:

«Grund sind unterirdische Bauschuttfüllungen aus der Gründerzeit im Bereich der Bäume, die aus Sicht des Prüfingenieurs entfernt werden müssen, um das Fundament des Neubaus nicht zu gefährden.

Erschwerend kommt eine unterirdische ehemalige Kellerwand hinzu, welche die Ausbreitung der Wurzelballen der Bäume in Richtung Straße verhindert. Die Statik der Bäume ist durch die Baumaßnahme somit nicht mehr sicherzustellen», führt Dr. Axel vom Schemm, Manager bei Aldi Nord aus.

Das Umweltamt gab dem Antrag von Aldi Nord zur Fällung am 28. Oktober statt.

Im Zuge der Bauarbeiten wurde ein Kellergewölbe unter den Bäumen freigelegt.

«Kein böser Wille»

Dr. vom Schemm äußert Bedauern über die unplanmäßige Fällung. Ebenso der geschäftsführende Gesellschafter der Funk Bauunternehmung GmbH Reinhard Funk: «Sie können sich den planerischen Aufwand nicht vorstellen, der betrieben wurde, um die Bäume zu erhalten», erklärt er am Telefon.

«Dresden wurde im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen. Deshalb werden die Bauarbeiten von einem Kampfmittelbeseitigungsdienst begleitet», sagt Funk. Dieser entdeckte unter den Bäumen eine sogenannte Anomalie. Verdacht auf Kampfmittel. Gefunden wurde letztendlich glücklicherweise nur eine ausgebrannte Brandgranate — doch das konnte vorher niemand wissen.

«Die Beseitigung ist gesetzlich verpflichtet, solange zu suchen, bis der metallische Gegenstand gefunden wurde», so Funk. Deshalb habe man den Boden in Lagen von je 20 Zentimetern Stück für Stück abtragen müssen. Diesem Schritt sind auch die Linden zum Opfer gefallen. «Der Unmut der Bürger ist verständlich», sagt Funk. «Aber es war kein böser Wille.»

Aldi versichert Ersatzpflanzungen vor Ort

Zum Ausgleich zur Fällung muss Aldi Nord 20 Ersatzpflanzungen tätigen. Ideell betrachtet ist das für Thomas Löser kein Trost: „Die dortigen Bäume sind lange gewachsen und hatten einen Wert“, führt Löser aus. „Neue zu pflanzen braucht Zeit.“

Seiner Meinung nach handelt es sich bei dem entstehenden Flachbau ohnehin um eine unmoderne Lösung, die viel Fläche verschwendet. „Zu der Lösung kam es nur, weil Aldi und Konsum keinen Weg zu einer gemeinsamen Entwicklung finden konnten.“ So werde in der ohnehin dicht bebauten Johannstadt-Nord eine weitere Fläche versiegelt.

Entlang der Baustelle an der Pfotenhauerstraße mussten bereits Bäume fallen.

„Sicherlich ist die rechtliche Grundlage gegeben“, räumt er ein. „Aber die Bewohner der 11-Geschosser blicken nun auf eine schmucklose, nicht beschattete Fläche“, äußert Thomas Löser sein Bedenken. Er fordert, die Ersatzpflanzungen vor Ort und Stelle vorzunehmen. Aldi Nord sichert das zu:

«Selbstverständlich werden wir am gleichen Ort in gleicher Anzahl neue Bäume pflanzen», so Dr. vom Schemm.

Reinhard Funk seinerseits hofft, dass die Bauarbeiten ohne weitere Verdachtsfälle des Kampfmittelbereinigungsdienstes ablaufen werden.

Gefährdete Bäume auf der Florian-Geyer-Straße

Der nächste Baum-Konflikt ist mit der doppelreihigen Baumallee auf der Florian-Geyer-Straße vorprogrammiert. Dort sieht für die geplanten Häuser der B-Plan die Grundfläche in Form der alten Gründerzeitbebauung vor – ein Plan, der die Bäume allerdings gefährdet. Die ersten Bäume wurden bereits im Februar dieses Jahres gefällt. Auch hier hätten sich zahlreiche Bürger*innen bereits für den Erhalt der Bäume eingesetzt, schildert Matthias Kunert vom Quartiersmanagement die Konflikte. Ohne eine Änderung des Bebauungsplans könnten hier bald weitere Bäume fallen.

Hinweis der Redaktion: Der im Rahmen des Projektes «Online-Stadtteilmagazin» erschienene Beitrag wurde nicht von der Landeshauptstadt Dresden bzw. dem Quartiersmanagement erstellt und gibt auch nicht die Meinung der Landeshauptstadt Dresden oder des Quartiersmanagements wieder. Für den Inhalt des Beitrags ist der Autor verantwortlich.