Orte » Geschichte der Johannstadt » Standort 8 – Bönischplatz

eingestellt am 17.04.2019 von QM Johannstadt, zuletzt geändert am 07.10.2019

Vom Thomas-Müntzer-Platz laufen Sie die Florian-Geyer-Straße entlang bis zur Pfeifferhannsstraße, biegen dort kurz nach links und vor dem Einkaufszentrum in die ehemalige Blumenstraße. Am Bönischplatz erreichen Sie Standort Nr. 8.

Vor 1945: Bönisch, Bier und Bastei

Stadtplan von 1911. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: JohannstadtArchiv

Anlage des Bönischplatzes

Der Bönischplatz war ursprünglich ein Teil der Blumenstraße und wurde 1897 aufgrund seiner Lage zwischen Elisen- und Pfotenhauerstraße zu einem Platz erweitert. Vermutlich befand sich zuvor an dieser Stelle bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts das „Rappoldische Gartenvorwerk“. Seinen Namen erhielt der Platz vom Dresdner Bürgermeister, Stadtrat und Juristen Karl Friedrich Emil Bönisch (1832–1894), der auch in unmittelbarer Nähe wohnte. Als Mitglied der II. Ratsabteilung war Bönisch u. a. für das Stadtkrankenhaus und das Bürgerhospital (heute DRK Pflege- und Seniorenheim Clara Zetkin auf der Pfotenhauerstraße) zuständig. Infolge der städtebaulichen Ausrichtung des Straßenrasters mit teilweise im spitzen Winkel angelegten Verläufen ergaben sich in der Johannstadt eine Reihe von dreieckigen Plätzen, die alle mit einer Grünfläche gestaltet und vollständig von Wohngebäuden umrahmt waren. Kriegsbedingt ist davon heute nur noch der Bönischplatz erhalten.

Weitere Informationen zur Geschichte des Bönischplatzes finden Sie hier.

Bönischplatz in Richtung Osten um 1900. Quelle: JohannstadtArchiv

Bönischplatz in Richtung Westen um 1900. Die Wohnbebauung am rechten Bildrand ist bis heute erhalten geblieben. Das Kanaleinstiegshäuschen vorn wurde 2015 wiedererrichtet. Quelle: Deutsche Fotothek

Ab 1893 fuhr die Straßenbahnlinie 18 als erste elektrische Bahn Sachsens über den Bönisch-
platz und endete dann in der Gleisschleife in der Hertelstraße / Burckhardtstraße / Neubert-
straße.

Straßenbahnwagen der Linie 18 vor der Wagenhalle Hertelstraße, um 1900. Quelle: Sammlung Gonschorek

Verlauf der Linie 18 in der Johannstadt und Gleisschleife Hertelstraße. Quelle: Sammlung Gonschorek

Gewerbe am Bönischplatz

Am Bönischplatz Nr. 9 öffnete 1905 das Hotel und Restaurant Quack. Von 1908 bis 1920 befand sich hier auch ein kinematographisches Theater (Kino). 1922 übernahm der Gastronom Emil Max Rahm (1872–1952) das Restaurant und benannte es in „Bönischhof“ um. Rahm arbeitete zuvor im Basteihotel und gilt als Erstbesteiger der „Rahm-Hanke“ in der Sächsischen Schweiz unterhalb der Bastei.

Hotel Bönischhof, um 1925. Das rechtsseitig anschließende Gebäude ist heute noch vorhanden. Quelle: JohannstadtArchiv

Rahm-Hanke in der Sächsischen Schweiz, ca. 1940. Quelle: Deutsche Fotothek

1907 verlagerte das Dresdner Hauptdepot der Münchner Brauerei Eberlbräu, später Paulaner, seinen Firmensitz von der Holbeinstraße ian den Bönischplatzes Nr. 11. Auf einer Fläche von 3 500 Quadratmetern befanden sich Wohn- und Betriebsgebäude, Kessel- und Maschinenhaus sowie ein Kühlraum aus Stahlbeton. Auf sechs Flaschenfüllanlagen wurden in einer 10-Stunden-Schicht 10 000 Flaschen gereinigt, abgefüllt und etikettiert.

Werbeplakat der Eberlbräu. Quelle: JohannstadtArchiv

Deutsche Bauzeitung: Einstiegshäuschen der Dresdner Kanalisation, 1906. Quelle: Sammlung Stuhrberg

Im Innenhof hinter dem Bönischplatz Nr. 7 entstand 1932 eines der ersten privat betriebenen Parkhäuser Dresdens mit einer Kapazität von etwa 120 Fahrzeugen.

Nach 1945: Trümmer, Tabak, Trubel

Stadtplan von 2019. Der Planausschnitt ist identisch mit dem oben abgebildeten historischen Stadtplan von 1911. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Themenstadtplan Dresden Unten: Ruinen am Bönischplatz 1945. Quelle: JohannstadtArchiv

Zerstörung und Wiederaufbau

Bei den Bombenangriffen vom Februar 1945 wurde die gesamte Süd- und Nordostseite des Platzes zerstört. Von der ursprünglichen Gründerzeitbebauung sind nur die vier Häuser Nr. 11-17 verblieben. Außerdem sind zum Stand 2018 noch fünf der 1879 gepflanzten Bäume erhalten.

Ab 1970 begann der Wiederaufbau des Bönischplatzes mit zehngeschossigen Wohngebäuden auf der Südseite. 1973 entstand das Hochhaus am Bönischplatz (heute Pfotenhauerstraße 5) als erster 15-Geschosser des Neubauprogrammes Johannstadt. Dabei wandelte sich die frühere Ostseite des Bönischplatzes östlich der Bundschuhstraße in eine Rasenfläche. Als Platzfläche sichtbar ist daher heute nur noch der spitze Westteil. 1982 entstanden die Gebäude am Bönischplatz Nr. 5, 7 und 9 als Lehrlingsbauten des Kombinats BMK Energie und Kohle. 2017
begann an der Südwestseite des Bönischplatzes die Errichtung des „Güntz-Areals“.

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Sicht auf die noch vorhandenen alten Bäume des Bönischplatzes, 2019. Quelle: Henning Seidler

Gleicher Blickwinkel, vor 1945, Quelle: JohannstadtArchiv Exakt an der Stelle des Hochhauses befanden sich vor der Zerstörung die markanten Kopfhäuser.

Ein lebendiger Platz

Beitrag aus der Sächsischen Zeitung vom 10./11. April 1982. Quelle: Sammlung Gonschorek

Auch zu DDR-Zeiten gab es eine vielfältige gewerbliche Nutzung am Bönischplatz. Zu den zahlreichen ansässigen Einrichtungen zählten u. a. Reparaturwerkstatt, Friseur, Drogerie, Schuhladen, Obst- und Gemüseladen, Tabakladen, Optiker, Künstleratelier, das Café am Bönischplatz und eine Altpapiersammelstelle. Von 1997 bis 2003 befand sich am Bönischplatz zudem der von Werner Ehrlich betriebene Stadtteilladen, der die Johannstadt mit einer Reihe von Kulturaktionen bereicherte. 2003 erfolgte eine erste Verschönerung des Platzes, bei der u. a. neue Bänke und die Holz-Keramik-Plastik von Andreas Rode und Thomas Wieduwilt zum Einsatz kamen, die auf den Johannstädter Kulturtreff hinweist. Die Plastik ist bis heute erhalten. Im Ergebnis einer intensiven Bürgerbeteiligung erfolgt 2020 eine grundlegende Neugestaltung des Platzes, um ihn als lebendigen Stadtteilplatz besser nutzen zu können, z. B. für das seit 2015 jährlich stattfindende Bönischplatzfest.

Bönischplatzfest 2018. Quelle: M. Blank

Holzskulptur mit Mosaikkugel von Andreas Rode und Thomas Wieduwilt, 2006. Quelle: B. Kalex

Text: Matthias Erfurth, Matthias Kunert, Henning Seidler

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