Orte » Geschichte der Johannstadt » Standort 1 – Trinitatisplatz

Unser Rundweg beginnt am Trinitatisplatz mitten in der Johannstadt. Sie erreichen den Trinitatisplatz mit der Straßenbahnlinie 6 aus Richtung Postplatz oder Niedersedlitz.

Vor 1945: Mitten in Johannstadt

Stadtplan von 1911. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt

Trinitatisfriedhof

Am Rand der Stadt trafen 1813 die Truppen des Napoleonischen Heeres mit denen Rußlands und Preußens zusammen. Bei der verheerenden Schlacht und in der Folge einer Typhusepidemie ließen 25.000 Menschen ihr Leben. Da die vorhandenen Friedhöfe Dresdens bereits voll belegt waren, musste schnell ein neuer Begräbnisplatz außerhalb der Stadt gefunden werden. Die Wahl fiel auf die Grundstücke der kurz zuvor zerstörten Gaststätte „Engelhardts“ und den Spittelplatz. Die Gestaltung der Anlage übertrug die Stadt 1815 dem Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer, der den Friedhof als ersten nicht sakralen Bestattungsort in Dresden anlegte. 1816 konnte die Anlage in Nutzung gehen und erhielt 1834 mit der Erweiterung den Namen Trinitatisfriedhof. In der Folgezeit wurden hier viele bekannte Persönlichkeiten bestattet, so u.a. der Arzt Carl Gustav Carus, der Bildhauer Ernst Rietschel und die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient. Nähere Informationen dazu sind beim Friedhof erhältlich. Neben dem Trinitatisfriedhof befindet sich der Neue Israelitische Friedhof, der ebenfalls besichtigt werden kann.

„Friedhofseingang“ Der bekannte Dresdner Maler Caspar David Friedrich setzte die auffälligen Torpfeiler am Eingang in seinem Gemälde „Friedhofseingang“ romantisierend in Szene. Quelle: JohannstadtArchiv

Trinitatiskirche

[lat. trinitatis] = Dreifaltigkeit aus Gottvater, Gottes Sohn (Jesus) und Heiligem Geist

Bedingt durch die finanziellen Einnahmen aus dem Krieg von 1870/71, die fortschreitende
Industrialisierung und die geänderten Bauvorschriften setzte in Dresden eine spürbar verstärkte Bautätigkeit ein. Dies betraf auch die bis dahin ländlich geprägte Gegend der östlichen Pirnaischen Vorstadt, der späteren Johannstadt. Felder und Gärten verschwanden zugunsten großer Karrees mit Wohnbebauung und Kleingewerbe in den Hinterhöfen, Fabriken siedelten sich an.

Ansicht der Gerokstraße mit der Trinitatiskirche. Quelle: JohannstadtArchiv
Inneres der Trinitatiskirche mit Altar. Quelle: JohannstadtArchiv

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neuen Einwohner dieses Gebietes gehörten zur 1878 gegründeten Johannesgemeinde,
die ursprünglich von der Johanneskirche am heutigen St. Benno Gymnasium stammte.
Diese hatte bei der Weihe 23.000 Gläubige. Mit bereits 40.000 Gläubigen sechs Jahre später
erschien die Kirche viel zu klein. Mit dem Beschluss, der Johannstadt eine eigene Gemeinde
zuzuordnen, entstand der Wunsch nach einem Kirchenneubau an einem zentralen
städtebaulichen Punkt. Für diesen Zweck schenkte der Stadtrat der 1888 neu gegründeten
Trinitatisgemeinde ein gut gelegenes Grundstück am Trinitatisfriedhof. Nach mehreren vorausgehenden Planungen erhielt der ortsansässige Architekt Karl Barth den Zuschlag für die Planung eines Kirchenneubaues auf diesem Flurstück. 1894 konnte die Kirche im Stil der
Neo-Renaissance mit dem 65 m hohen stadtbildprägenden Turm nach dreijähriger Bauzeit
feierlich eingeweiht werden.

Trinitatisstraße

In der Trinitatisstraße (heutige Fiedlerstraße) befanden sich eine Reihe interessanter Bauwerke und Einrichtungen. So diente das Haus Nr. 2 als Bildhaueratelier der Kunstgewerbeschule, in dem unter anderem der Dresdner Bildhauer Selmar Werner (Trägerfiguren am Ständehaus,  Schillerdenkmal auf dem Albertplatz, Kreuzigungsgruppe an der ehemaligen Englischen Kirche u.a.) tätig war. Auch die Dresdner Zigarettenindustrie hatte in dieser Strasse zwei große Werke. Die Kios-Zigarettenfabrik und die Cigarettenfabrik Josetti mit der Marke „Juno“ erreichten deutschlandweite Bekanntheit. Auch Lippolds Kofferfabrik produzierte in der Trinitatisstraße. Dieses kleine Werk hat vor allem durch seine Erwähnung in Erich Kästners 1957  veröffentlichtem Roman „Als ich ein kleiner Junge war“ Bekanntheit erlangt – hier war Kästners Vater angestellt. Der Grundstein für das nach 1945 gegründete VE Backwarenkombinat Dresden bestand in der hier ansässigen Brotfabrik. Der Großteil der Fabriken wurde bei der  Bombardierung 1945 zerstört. Nur eine Fabrikantenvilla ist noch erhalten.

Werbeschild Josetti Cigaretten. Quelle: Wikimedia Commons
Werbeschild Lippold´s Kofferfabrik. Quelle: Wikimedia Commons

Nach 1945: Neues und Ruinöses

Stadtplan von 2017. Der Planausschnitt ist identisch mit dem oben abgebildeten historischen Stadtplan von 1911. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Themenstadtplan Dresden

Trinitatiskirchruine

Nach nur 51 Jahren Nutzung versank das markante Gotteshaus beim Bombenangriff auf
Dresden in Schutt und Asche. Bei den Bombardierungen im Februar 1945 brannte das Kirchenschiff der Trinitatiskirche völlig aus. Schwere Beschädigungen erlitten die Umfassungsmauern und das gegenüberliegende Gemeindehaus, Dachstuhl und Innenausstattung der Kirche gingen verloren. Einzig der Turm überstand den Bombenangriff relativ unbeschadet.
Als man Mitte der 1950er Jahre mit der Großflächenenttrümmerung in der Johannstadt begonnen hatte, beräumte man das ehemals dicht bebaute, jetzt aber völlig zerstörte Umfeld
der Kirche. Im wieder aufgebauten Gemeindehaus fand ein kirchlicher Kindergarten Platz.
Um den drohenden Abriss der Ruine Ende der 60er Jahre zu verhindern, wurde durch die
Gemeindemitglieder ein Projekt für einen Gottesdienstraum und eine Tagungsstätte entwickelt.
Sie enttrümmerten mit den primitivsten Mitteln in ihrer Freizeit die Ruine, sicherten die Mauerreste und den Turm. Bedingt durch fehlende finanzielle Mittel und den schließlich
darin befindlichen kirchlichen Bauhof blieb die Ruine erhalten.
Heute finden hier gelegentlich Gottesdienste und Konzerte sowie kulturelle Veranstaltungen
unter freiem Himmel statt. Die Räume sind derzeit aber vor allem durch aktive sozialdiakonische offene Jugendarbeit in Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde und der Landeshauptstadt Dresden sowie durch das Jugendzentrum in Nutzung. Seit einiger Zeit engagiert sich der Förderverein für den schrittweisen Ausbau der Ruine.

Ähnliche Vogelperspektive auf die Trinitatiskirche mit Bebauung um 1930 und um 2000. Quelle: JohannstadtArchiv
Zerstörte Ruine der Trinitatiskirche mit Trümmerbahn, ca. 1950; Quelle: Sammlung Gonschorek
Innenraum der Trinitatiskirche 2017
Quelle: Thessa Wolf

Bald ein neuer Trinitatisplatz?

In den kommenden Jahren ist der grundhafte Ausbau der Gerokstraße durch die Landeshauptstadt Dresden geplant. Durch die Aufweitung des Platzes vor der Kirche soll der Trinatisplatz noch besser als bislang nutzbar werden.

Entwurf für den Trinitatisplatz, 2016
Quelle: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt / evergreen landschaftsarchitekten

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