Orte » Nördliche Johannstadt heute

Die Nördliche Johannstadt ist heute für viele Menschen ein lebenswerter Stadtteil. 12.340 Bewohner*innen wohnten Ende 2015 auf 223 Hektar, davon knapp die Hälfte auf nur einem Siebtel dieser Fläche im Fördergebiet Soziale Stadt rund um den Bönischplatz. Dichte und Weite, Altbau und Plattenbau, alte Fabriken und moderne Neubauten, viele Familien und viele SeniorInnen, Alteingesessene und gerade Zugezogene: das vielstrapazierte Wort Vielfalt trifft es für die Nördliche Johannstadt gut.

Ein Drittel der Bewohner*innen sind älter als 60 Jahre, im Bereich der Plattenbauten noch deutlich mehr. Nicht wenige von ihnen wohnen bereits seit dem Bau ihrer Wohnhäuser in den 70er Jahren im Gebiet. Aufgrund des vielfältigen Wohnungsangebotes und der teilweise noch günstigen Mieten ist die Nördliche Johannstadt inzwischen aber ebenso bei jungen Familien, StudentInnen, wirtschaftlich schwächeren Menschen und Migrant*innen beliebt.

Interkulturalität wird in der Nördlichen Johannstadt alltäglicher gelebt als in vielen anderen Stadtteilen. Zahlreiche Spätaussiedler*innen aus den ehemaligen GUS-Staaten haben sich im Gebiet niedergelassen, mit den jüngsten Flüchtlingsbewegungen kamen viele Menschen vor allem aus arabischen Staaten wie Syrien hinzu. In den Forschungszentren, etwa am Bioinnovationsstandort Tatzberg, arbeiten Menschen aus vielen Ländern. Heute haben knapp 19 Prozent der BewohnerInnen einen Migrationshintergrund, d. h. sie selbst oder eines ihrer Elternteile sind nach 1949 nach Deutschland zugewandert. Knapp 12 Prozent sind Ausländer, 7 Prozent sind Deutsche mit Migrationshintergrund. Im Soziale-Stadt-Gebiet Nördliche Johannstadt hat etwa jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund.

Wie eine Untersuchung der Sozialen Entwicklung für das Soziale-Stadt-Gebiet aus dem Jahr 2014 zeigt, wird die Nördliche Johannstadt von den meisten Bewohner*innen als Wohnstandort geschätzt. Die Innenstadtnähe und die Nähe zu den Elbwiesen und dem Großen Garten geben dem Stadtteil einen besonderen Reiz. Viele Wohnungen, vor allem in den Hochhäusern, bieten einen hervorragenden Weitblick über die Stadt. Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten sind mit wenigen Abstrichen in ausreichendem Maße vorhanden. Vor allem die Pfotenhauerstraße lässt Entwicklungsansätze hin zu einer bereits in der Vorkriegszeit vorhandenen attraktiven Wohn- und Geschäftsstraße erkennen.

Vielfältige Sozial-, Bildungs- und Kultureinrichtungen ergänzen das Angebot und bringen neben ihren eigentlichen Aufgaben auch Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft und Altersgruppen miteinander in Kontakt. Leider weisen einige dieser Einrichtungen noch erhebliche bauliche Defizite auf. Handlungsbedarf besteht auch im Bereich der öffentlichen Infrastruktur. Straßen, Plätze und Freiflächen sind gestaltungsbedürftig, Barrierefreiheit ist noch längst nicht überall gegeben. Mit hohen öffentlichen Investitionen strebt die Landeshauptstadt Dresden in den kommenden Jahren eine Überwindung dieser Defizite an.

Die Nördliche Johannstadt und das Soziale-Stadt-Gebiet, Quelle Luftbild: Amt für Geodaten und Kataster, Befliegung vom 17.03.2016/19.03.2015