Menschen » Integration in Turnschuhen – Dietrich Ewers bringt Dinge auf den Weg

eingestellt am 28.12.2016 von Bertil Kalex, zuletzt geändert am 28.06.2017

Dr. Dietrich Ewers wohnt seit 52 Jahren am Thomas-Müntzer-Platz. Aber nicht nur deshalb kennen ihn viele im Viertel. In der Regel sieht man ihn auf dem Fahrrad, meist fährt er zügig. Dietrich Ewers ist ausgebildeter Maschinenbauingenieur und kann sich noch gut an die Fortschrittsversprechen der Technik in der 60er Jahren erinnern und die Überzeugung, alles oder wenigstens vieles „machen“ zu können. Dieses „machen“ ist ihm geblieben: Er war Stadtrat für die SPD, er war Leiter des Ortsamtes Altstadt und so auch für „sein“ Viertel zuständig, er hat das Elbeschwimmen auf den Weg gebracht, er hat die vietnamesischen Gärten mitgegründet und, und, und. Er ist Marathon gelaufen in Columbus, Ohio, der Partnerstadt Dresdens, mit vielen Zuwanderern mit deutschen Wurzeln. Jetzt läuft er in Dresden einmal in der Woche mit einer Gruppe von ca. 30 Personen, die Hälfte von ihnen ohne deutsche Wurzeln. Wie sie hier klarkommen und wir mit ihnen, das treibt Dietrich Ewers um:

„Das Wichtigste ist, dass man die jungen Männer – und das sind ja die meisten – nicht behandelt wie Kinder. Die haben so viel mitgemacht, und sie haben es weit gebracht, denen muss man nicht mehr viel von Selbstorganisation oder so erklären. Und man muss sie machen lassen, die Ideen müssen von ihnen kommen. Dann kann ich ihnen mein Herz öffnen. Einen Flüchtling habe ich aus meiner Laufgruppe heraus an eine Kfz-Werkstatt vermittelt, ohne dass er Deutsch gesprochen hätte und dann halt erstmal auch ohne Bezahlung. Am Anfang waren sie skeptisch, jetzt sind sie zufrieden und werden ihn weiterbeschäftigen mit Bezahlung. Das ging unbürokratisch, und da muss man einiges aushalten, auf beiden Seiten. Ein bisschen mehr von dieser Flexibilität würde ich mir überall wünschen. Ich kann mich noch an meine ersten Praktika auf dem Bau im Ruhrgebiet erinnern, das wurde auch irgendwie möglich gemacht. Und dann sind beim Laufen ja auch unsere Frauen dabei, das ist ganz wichtig, denn es ist zu sehen, wie wir in Deutschland miteinander umgehen, auch das heißt ja ‚Integration‘.“

Foto: Torsten Birne