أمكنة » حكاية يوهانشتات » Standort 1 – Trinitatisplatz

eingestellt am 29.01.2019 von QM Johannstadt

Unser Rundweg beginnt am Trinitatisplatz mitten in der Johannstadt. Sie erreichen den Trinitatisplatz mit der Straßenbahnlinie 6 aus Richtung Postplatz oder Niedersedlitz.

Vor 1945: Mitten in Johannstadt

Stadtplan von 1911. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt

Trinitatisfriedhof

Am Rand der Stadt trafen 1813 die Truppen des Napoleonischen Heeres mit denen Rußlands und Preußens zusammen. Bei der verheerenden Schlacht und in der Folge einer Typhusepidemie ließen 25 000 Menschen ihr Leben. Da die vorhandenen Friedhöfe Dresdens bereits voll belegt waren, musste schnell ein neuer Begräbnisplatz außerhalb der Stadt gefunden werden. Die Wahl fiel auf die Grundstücke der kurz zuvor zerstörten Gaststätte „Engelhardts“ und den Spittelplatz. Die Gestaltung der Anlage übertrug die Stadt 1815 dem Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer, der den Friedhof als ersten nicht sakralen Bestattungsort in Dresden anlegte. 1816 konnte die Anlage in Nutzung gehen und erhielt 1834 mit der Erweiterung den Namen Trinitatisfriedhof. In der Folgezeit wurden hier viele bekannte Persönlichkeiten bestattet, so u.a. der Arzt Carl Gustav Carus, der Bildhauer Ernst Rietschel und die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient. Nähere Informationen dazu sind beim Friedhof erhältlich. Neben dem Trinitatisfriedhof befindet sich der Neue Jüdische Friedhof, der ebenfalls besichtigt werden kann.

„Friedhofseingang“. Der bekannte Dresdner Maler Caspar David Friedrich setzte die auffälligen Torpfeiler am Eingang in seinem Gemälde „Friedhofseingang“ romantisierend in Szene. Quelle: JohannstadtArchiv

Trinitatiskirche

[lat. trinitatis] = Dreifaltigkeit aus Gottvater, Gottes Sohn (Jesus) und Heiligem Geist

Bedingt durch die finanziellen Einnahmen aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, die fortschreitende Industrialisierung und die geänderten Bauvorschriften setzte in Dresden eine spürbar verstärkte Bautätigkeit ein. Dies betraf auch die bis dahin ländlich geprägte Gegend der östlichen Pirnaischen Vorstadt, der späteren Johannstadt. Felder und Gärten verschwanden zugunsten großer Karrees mit Wohnbebauung und Kleingewerbe in den Hinterhöfen, Fabriken siedelten sich an.

Ansicht der Gerokstraße mit der Trinitatiskirche. Quelle: JohannstadtArchiv
Inneres der Trinitatiskirche mit Altar. Quelle: JohannstadtArchiv

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neuen Einwohner dieses Gebietes gehörten zur 1878 gegründeten Johannesgemeinde,
die ursprünglich ihren Sitz an der Johanneskirche am heutigen St. Benno Gymnasium hatte und bei der Weihe der Kirche 23 000 Gläubige zählte. Mit bereits 40 000 Gläubigen sechs Jahre später erschien die Kirche viel zu klein. Mit dem Beschluss, der Johannstadt eine eigene Gemeinde zuzuordnen, entstand der Wunsch nach einem Kirchenneubau an einem zentralen städtebaulichen Punkt. Für diesen Zweck schenkte der Stadtrat der 1888 neu gegründeten Trinitatisgemeinde ein gut gelegenes Grundstück am Trinitatisfriedhof. Nach mehreren vorausgehenden Planungen erhielt der ortsansässige Architekt Karl Barth den Zuschlag für die Planung eines Kirchenneubaues auf diesem Flurstück. 1894 konnte die Kirche im Stil der Neo-Renaissance mit dem 65 m hohen stadtbildprägenden Turm nach dreijähriger Bauzeit feierlich eingeweiht werden.

Trinitatisstraße

In der Trinitatisstraße (heutige Fiedlerstraße) befanden sich eine Reihe interessanter Bauwerke und Einrichtungen. So diente das Haus Nr. 2 als Bildhaueratelier der Kunstgewerbeschule, in dem unter anderem der Dresdner Bildhauer Selmar Werner (Trägerfiguren am Ständehaus,  Schillerdenkmal auf dem Albertplatz, Kreuzigungsgruppe an der ehemaligen Englischen Kirche u.a.) tätig war. Auch die Dresdner Zigarettenindustrie hatte in dieser Strasse zwei große Werke. Die Kios-Zigarettenfabrik und die Cigarettenfabrik Josetti mit der Marke „Juno“ erreichten deutschlandweite Bekanntheit. Auch Lippolds Kofferfabrik produzierte in der Trinitatisstraße. Dieses kleine Werk hat vor allem durch seine Erwähnung in Erich Kästners 1957  veröffentlichtem Roman „Als ich ein kleiner Junge war“ Bekanntheit erlangt – hier war Kästners Vater angestellt. Der Grundstein für das nach 1945 gegründete VE Backwarenkombinat Dresden bestand in der hier ansässigen Brotfabrik. Der Großteil der Fabriken wurde bei der  Bombardierung 1945 zerstört. Nur eine Fabrikantenvilla ist noch erhalten.

Werbeschild Josetti Cigaretten. Quelle: Wikimedia Commons
Werbeschild Lippolds Kofferfabrik. Quelle: Wikimedia Commons

Nach 1945: Von der Ruine zur Jugendkirche

Stadtplan von 2017. Der Planausschnitt ist identisch mit dem oben abgebildeten historischen Stadtplan von 1911. Der Tafelstandort ist markiert. Quelle: Themenstadtplan Dresden

Trinitatiskirchruine

Bei den Bombardierungen im Februar 1945 brannte das Kirchenschiff der Trinitatiskirche nach nur 51 Jahren Nutzung völlig aus. Schwere Beschädigungen erlitten die Umfassungsmauern und das gegenüberliegende Gemeindehaus, Dachstuhl und Innenausstattung der Kirche gingen verloren. Einzig der Turm überstand den Bombenangriff relativ unbeschadet.
Im Zuge der 1950er Jahre begonnenen Großflächenenttrümmerung in der Johannstadt beräumte die Kirchgemeinde das ehemals dicht bebaute, jetzt aber völlig zerstörte Umfeld der Kirche. Im wieder aufgebauten Gemeindehaus fand ein kirchlicher Kindergarten Platz.

Um den drohenden Abriss der Ruine Ende der 60er Jahre zu verhindern, entwickelten die Gemeindemitglieder ein Projekt für einen Gottesdienstraum und eine Tagungsstätte. Sie enttrümmerten mit den primitivsten Mitteln in ihrer Freizeit die Ruine, sicherten die Mauerreste und den Turm. Bedingt durch fehlende finanzielle Mittel für den Abriss und den schließlich darin befindlichen kirchlichen Bauhof blieb die Ruine erhalten. Heute finden hier gelegentlich Gottesdienste und Konzerte sowie kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel statt. Die Räume werden seit 1992 aber vor allem durch das Jugendzentrum Trinitatiskirche genutzt, in dem die Kirchgemeinde mit Unterstützung der Landeshauptstadt Dresden offene Jugendarbeit betreibt. Seit einiger Zeit engagiert sich der Förderverein für den schrittweisen Ausbau der Ruine.

Ähnliche Vogelperspektive auf die Trinitatiskirche mit Bebauung um 1930 und um 2000. Quelle: JohannstadtArchiv
Zerstörte Ruine der Trinitatiskirche mit Trümmerbahn, ca. 1950; Quelle: Sammlung Gonschorek
Innenraum der Trinitatiskirche 2017. Quelle: Gerd Hammermüller

Jugendkirche und neuer Trinitatisplatz

In Trägerschaft der Ev.-Luth. Kirchenbezirke Dresden Mitte und Dresden Nord sollen mit dem Jugendzentrum „Jugendkirche Dresden“ ab 2020 inspirierende Erlebnis- und Erfahrungsräume für Jugendliche aus dem Quartier und dem gesamten Stadtgebiet in der Trinitatiskirchruine entstehen. Jugendliche sollen hier bald selbst gestalten, miteinander diskutieren, eigene Ausdrucksformen finden und natürlich Konzerte erleben und feiern können. Das bereits bestehende „Jugendzentrum Trinitatiskirche“, ein Jugendcafé und die Geschäftsstelle der Evangelischen Jugend Dresden werden im neuen Haus neben einem großen multifunktionalen Veranstaltungsraum ebenfalls ihren Platz finden.

Entwurf für den Trinitatisplatz, 2016. Quelle: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt / evergreen landschaftsarchitekten
Innenperspektive der Jugendkirche. Quelle: Ev.-Luth. Kirchenbezirk Dresden-Mitte / Code Unique Architekten

 

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