„Keine Angst, wir heißen nur so“ – Der Copyshop Sauer

eingestellt am 03.03.2020 von Philine Schlick, Headerbild: Siegrid und Bernd Sauer vor dem Copyshop, den sie als Chefin betreibt und er nunmehr als Angestellter unterstützt. Foto: Philine Schlick

Für das Presse-Rendezvous mit johannstadt.de haben Siegrid und Bernd Sauer die späte Mittagszeit gewählt –  in der Hoffnung auf eine ruhige Gesprächsminute. Dennoch muss die Chefin des Hauses öfter mal hochspringen und vorne im Laden nach dem Rechten sehen. Seit  vielen Jahren heißt es für die Sauers: Selbst&ständig. Und nach Feierabend ist noch lange nicht Feierabend.

Seit 44 Jahren sind die Diplom-Chemikerin Siegrid Sauer und der Diplom-Physiker Bernd Sauer ein Paar. Nicht nsteiur privat, auch geschäftlich sind sie Partner. Er startete vor 22 Jahren seine Selbstständigkeit mit dem kleinen Foto-Geschäft auf der Arnoldstraße, das es seit 2019 nun nicht mehr gibt. Sie eröffnete 2006 den Call- und Copy-Shop an der Ecke Gutenberg-/Pfotenhauerstraße. Bewegte Zeiten liegen hinter den Lokalmatadoren.

Selbstständig per „Zufall“

Die Eröffnung des lange ansässigen Fotogeschäfts in der Netto-Passage beschreibt Bernd Sauer als glücklichen Zufall. Seine Frau Siegrid hatte „eine richtige Stelle“, wie sie es nennt, bei dem Fotopapierhersteller „Fotopapierwerk“ und späterem Fotolabor Intercolor/Foto Porst inne, der zu DDR-Zeiten auf der Bärensteiner Straße ansässig war und nach der Wende und seiner Vergrößerung nach Klipphausen wechselte. Ein Arbeitskollege von ihr wollte sein Foto-Geschäft in der Johannstadt übergeben – Bernd Sauer schlug zu.

Blick auf das bekannte Eckgeschäft von Siegrid Sauer. Foto: Philine Schlick

Mitte der 90er, erzählt er, ging es los mit Preisdrückerei und Konkurrenz. Sein Geschäft wandelte sich insofern, als dass er Zeitungen und Zeitschriften mit ins Sortiment nahm. Zuvor hatte er als klassisches Fotogeschäft Kameras der Marke Praktica („So viel Lokalpatriotismus darf sein“), Filme aller Marken und Bilderrahmen angeboten. Zu kämpfen hatte er schon damals, auch gegen die Angebote der Drogeriemärkte, die mit günstigen Services den Markt veränderten.

Wir sind keine Däumchendreher

Drei Jahre nach dem Millenium schloss die Firma, in der seine Frau gearbeitet hatte. Kodak kaufte das Unternehmen auf – und machte dann dicht. „So schafft man sich Konkurrenz vom Hals“, sagt Herr Sauer. „Im Januar 2003 hatten sie noch alle Maschinen modernisiert, im Februar waren die Türen zu.“ Es stellte sich die Frage, was zu tun sein. Das Ersparte aufbrauchen und danach Sozialamt – oder etwas Neues wagen. „Wir sind keine, die ihre Hände in den Schoß legen und Däumchen drehen“, stand für beide fest.

Also suchte das Paar nach einem passenden Ladengeschäft, wurde mit dem Eckladen fündig und bezog 2006 die Räume des ehemaligen Solariums. Die Telefonkabinen im hinteren Ladenbereich erinnern noch an Zeiten, da Auslandsgespräche hier getätigt wurden. Sie dienen jetzt als Lager. Die zwölf Internetplätze haben sich halbiert, sind jedoch noch gut besucht. Die vorhandene Technik wie Kopierer, Drucker und Plotter werden bedarfsmäßig erweitert und angepasst.

Dreizehn Stunden täglich hinterm Tresen

„Das Klientel ist bunt gemischt“, sagt Siegrid Sauer über ihr Geschäft, in dem ihr Mann seit November 2019 als Angestellter mitwirkt. Das Fotogeschäft-Sortiment hatte er mit Tabak, Lotto und Post aufgestockt – den Garaus machte ihm schließlich die bescheidene Parksituation, wie Bernd Sauer erzählt. Alle Parkplätze vor dem Laden seien für Anwohner, Seniorenresidenz und medizinische Lieferungen reserviert gewesen. Trotz Bemühungen habe er kein Entgegenkommen erfahren, sagt er frustriert. Auch drei Einbrüche innerhalb eines Jahres machten ihm wirtschaftlich zu schaffen. Er sah sich gezwungen, das Geschäft Ende Oktober 2019 aufzugeben.

Der Copyshop hat mit zahlreichen Baustellen und dadurch bedingten Kundeneinbrüchen, Praktikant*innen und Azubis ebenfalls bewegte Zeiten hinter sich. Das Aufgabenfeld ist breit gefächert – die Wünsche der Kund*innen abwechslungsreich. „Der Hermes-Paketshop rettet uns öfter mal“, so Siegrid Sauer. Dreizehn Stunden steht sie täglich hinter dem Tresen. Zusätzlich gilt es, Papierkram und Einkäufe zu erledigen. Unterstützt werden sie seit gut zwei Jahren von ihrer Angestellten Frau Steinberg.

Von einer anderen langjährigen Kollegin musste man sich mit der Schließung des Fotogeschäfts trennen. Sie kam aber als Kinderbetreuerin gut in einer anderen Branche unter, berichtet Herr Sauer. Der Abschied sei nach den gemeinsamen Jahren für beide Seiten schwer gewesen.

Es ist kein leichtes Pflaster, sagt Siegrid Sauer. Was jedoch entlohnt, ist die Bekanntheit im Viertel und der freundliche Kontakt zur Kundschaft, räumt Bernd Sauer ein. Und die Flinte ins Korn werfen, das kommt nicht in Frage. Auch wenn natürlich am Horizont immer verheißungsvoll ein wohlverdienter Ruhestand winkt und die Öffnungszeiten eingekürzt wurden – die Sauers halten die Stellung als einziger Copyshop im Viertel. Schon klingelt wieder das Türglöckchen.

Call- Copyshop Sauer

  • Pfotenhauerstraße 43, 01307 Dresden
  • www.copy-sauer.de
  • Montag bis Freitag 9 bis 21 Uhr, Sonnabend 9 bis 18 Uhr